museum

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Das Gebäude steht, bewusst losgelöst aus dem städtischen Kontext, im archaischen „deutschen“ Wald. Die genaue Lage ist nicht von Interesse. Wichtig ist, dass es sich in unbequemer Entfernung zur kulturell-inzestuösen Stadt befindet. Diese zeitliche und räumliche Entfernung soll ein „Durchatmen“ in den Besucherköpfen ermöglichen und Ihnen die Chance geben, etwas Neues oder gar Eigenes vor Ort zu entdecken oder zu denken. Der Weg dient hier als architektonisches Gestaltungselement und hilft, die ruhige und entschleunigte Aura des Hauses zu stärken.

Die diagrammatische Form leitet sich aus der implizierten Nutzung ab. Der unbeheizte Einraum wird durch das eingestellte und teilweise beheizbare – und der Archivierung, dem Dialog und der Entledigung dienliche – „perforierte“ Betonelement in zwei Halbräume zoniert. Die archetypische Form des Kreises ermöglicht, bei geschlossen Vorhängen, dass der Hauptraum als kontinuierliche Aneinanderreihung von Raumbereichen wahrgenommen werden kann. Durch Schließen einzelner Vorhänge werden intimere, in Größe und Form variierende, Raumbereiche mit orthogonalem Charakter geschaffen, welche ein hohes Maß an Diskurs – in Bezug auf Akustik / Privatsphäre – von ihren Nutzern einfordern. Durch gezieltes und immer neues „Schalten“ der Raumteiler, zeigt sich das Gebäude szenographisch flexibel und an Zeit und in Funktion anpassungsfähig.

Der umlaufende Stützenring hat neben der Lastabtragung die Aufgabe, in Kombination mit den zentrisch-rotierbaren Türen, ein subtiles Verschmelzen des Innenraumes mit der ebenfalls vertikalen, umliegenden Natur in der Wahrnehmung hervorzurufen. 

Das Gebäude versucht, auch im Bezug auf die Bauphysik, Türen – im doppelten Sinne – für einen nötigen Diskurs (als Gegenpol zu subventionierten Verdämmung unser Baukultur) zu öffnen: Die Fassade stellt nicht nur im Bezug auf die Raumwahrnehmung keine (!) eindeutige Grenze zwischen Innen und Außen dar, sondern ist auch als eine Art thermischer Verlauf vom kalten Außen zum beheizten Innen zu begreifen.

Durch Schließen aller Türen und Vorhänge können Raumbereiche geschaffen werden, die sich durch die Nutzung erwärmen lassen, jedoch nicht beheizbar sind.

Die Nutzung des Gebäudes muss sich somit auch hier den äußeren Bedingungen anpassen und dementsprechend können auch in Bezug auf Archivierung und Ausstellung neue Ansätze entwickeln und mit ihnen experimentiert werden.

Der Hauptraum spiegelt keine idealen Bedingung für Archivalien oder Ausstellungsstücke wider. Welche Ausstellungsstücke zu welcher Zeit aus dem beheizten und trockenen Kellerraum nach oben geholt werden können, muss immer aufs Neue mit Wetterbedingungen und Veranstaltungsart und -intervallen abgeglichen werden.

So wird auch hier Rücksichtnahme und Dialog zum Gestaltungsmerkmal der Gebäudenutzung. Die Archivierung selbst wird – neben der Raumnutzung und dessen Konfiguration – somit Teil des Museumskonzeptes. 

Die Idee des Gebäudes ist es, einen architektonisch und architekturell experimentellen Ort der Entschleunigen, gegenseitigen Rücksichtnahme und des Dialoges zu schaffen. Das Haus ist roh, unfertig und seine Akzeptanz in der Gesellschaft und/oder der Architekturszene selbst unklar.

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VIAN

soft-launched playground of Sebastian Gatz: art, architecture, coding, music.

AS IS, WITH ALL FAULTS

short CV:

Stud. Cand. arch.
CITA | Centre for Information Technology and Architecture
The Royal Danish Academy of Fine Arts, Schools of Architecture, Design and Conservation

B.A. architecture (Münster School of Architecture)

2.5 years research assistant of Prof. Bolles-Wison & Prof. Luis Berríos Negrón

trained car mechanic (five years at Volkswagen: four in Germany, one in Portugal)

four years of practice (Architecture: modulorbeat & behet bondzio lin, car mechanic, civil service)